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Schlafstörungen

Schlafapnoe? Was ist das? Ursachen, Symptome & Folgen

Fühlen Sie sich tagsüber häufig gerädert, unkonzentriert und teilweise sogar übermäßig müde? Dann leiden Sie wahrscheinlich an einer Schlafstörung, die Ihnen die verdiente und nötige Erholung im Schlaf verwehrt. Wenn Sie öfters mit trockenem Mund aufwachen und Ihrem Partner auch schon durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen den Schlaf geraubt haben, deutet das sogar auf eine Schlafapnoe hin. 

Lesen Sie hier, was es mit dieser speziellen Form der Schlafstörung auf sich hat und warum sie sogar gefährlich werden kann.

Sie leiden unter Schlafstörungen – oder doch nicht?

Sie sind sich unsicher, ob Sie Ihre Schlafprobleme schon Schlafstörungen nennen können? Machen Sie einen kurzen Test und wir empfehlen Ihnen die nächsten Schritte.

Definition und Formen von Schlafapnoe

Schlafapnoe: Bei dieser Schlafstörung kommt es, während Sie schlafen, zu langen Atemaussetzern. Schlafapnoe bedeutet daher übersetzt auch so viel wie „Atemstillstand im Schlaf“. Diese Atemaussetzer bekommen die Patienten jedoch zumeist nicht mit. Stattdessen nimmt hauptsächlich der / die Partnerin das laute Schnarchen wahr und wird durch die schwerwiegenden nächtlichen Atemaussetzer beunruhigt.

Viele berichten sogar davon, dass sie Angst hätten der Schnarchende würde im Schlaf ersticken. Diese Sorge ist jedoch unbegründet – das körpereigene Alarmsystem weckt den Betroffenen zum Glück rechtzeitig. 

Betroffen sind meistens Männer über 30. Fünf Prozent dieser Gruppe leiden laut Medizinern an Schlafapnoe, wobei die Dunkelziffer noch größer sein kann. Frauen können vermehrt nach der Menopause und die dadurch verursachten Veränderungen im Hormonhaushalt von der Schlafstörung betroffen sein. 

Zwei Formen der Schlafapnoe

Es gibt zwei Formen der Schlafapnoe: die obstruktive und die zentrale Schlafapnoe. Häufig tritt auch eine Mischform der beiden auf.

Die obstruktive Schlafapnoe wird durch einen Verschluss der Atemwege verursacht. Die weiche Muskulatur des Gaumens entspannt sich und erschlafft. Dadurch kann es an verschiedenen Stellen im oberen Atemtrakt durch den beim Einatmen erzeugten Unterdruck zum vollständigen Kollabieren der Luftröhre kommen und die Luft kann nicht mehr frei fließen. Im Schlaf setzt der Luftfluss an Mund und Nase für mehr als zehn Sekunden vollständig aus. 

Doktor Tobias Weigl erklärt, dass die Aussetzer in der Regel sogar 20 bis 30 Sekunden andauern. Dies geschieht mindestens fünf Mal innerhalb einer Stunde. Bei der zentralen Schlafapnoe erschlafft die Atemmuskulatur im Brustbereich und sorgt so für eine Aussetzen der Atembewegung. 

Welche Symptome bei Schlafapnoe?

Die Hauptsymptome einer Schlafapnoe sind: 

  • lautes, unregelmäßige Schnarchen 
  • große Müdigkeit am Tag

Zudem treten auch häufig die folgende Symptome auf:

  • Mundtrockenheit 
  • Sodbrennen 
  • Halsschmerzen 
  • Kopfschmerzen 
  • wiederkehrende Atemwegsinfekte
  • Konzentrationsmangel und Vergesslichkeit
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Potenzprobleme bei Männern
  • Angstzustände und Depressionen

Ursachen: Warum bekommt man Schlafapnoe?

Ursächlich für eine Schlafapnoe ist immer eine Verengung der Atemwege, so dass die Atmung nicht nur deutlich erschwert wird, sondern vollständig aussetzt. Gründe für die Verminderung der Luftzufuhr bei einer obstruktive Schlafapnoe sind vielfältig:

  • Infektionen der oberen Atemweg: Erkältungen, angeschwollene Nasenschleimhäute, Nasennebenhöhlen-Entzündungen, allergische Reaktionen
  • verkrümmte Nasenscheidewand
  • vergrößerte Polypen oder Rachenmandeln
  • Übergewicht mit vermehrten Fettablagerungen im Rachen- und Zungenbereich
  • Schlafen in Rückenlage
  • Alkohol
  • Medikamente (Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antihistaminika)
  • Anatomische Fehlbildungen oder Veränderungen des Kieferbereichs oder der Zunge
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Schwangerschaft

Eine zentrale Schlafapnoe geht dagegen von einer Fehlsteuerung im Hirn aus und hat ihren Ursprung im zentralen Nervensystem. Sie ist zumeist genetisch bedingt, kann ihre Ursache aber auch in einer Borreliose oder einem Schlaganfall haben. 2

Was kann ich tun gegen Schlafapnoe?

Haben Sie den Verdacht, dass Sie an Schlafapnoe leiden, sollten Sie unbedingt Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser wird weitere Untersuchungen veranlassen und den Ursachen für Ihre Schlafstörung auf den Grund gehen. Auch der Besuch eines Schlaflabors ist ratsam, wo Ihr Schlaf überwacht und ausgewertet wird. 

Handelt es sich um eine leichte Form der Schlafapnoe, helfen oft schon Veränderungen im Lebensstil. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin rät in einem Patientenratgeber zu folgenden Maßnahmen: Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin, trinken Sie keinen Kaffee oder schwarzen Tee vor dem Schlafengehen. Nehmen Sie auch keine Schlaf- oder Beruhigungsmittel zu sich, da diese die nächtliche Atemtätigkeit dämpfen.3

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Sind Sie übergewichtig, sollten Sie unbedingt an Gewicht verlieren. Nach Möglichkeit sollten Sie auch nicht mehr auf dem Rücken schlafen. Um sich selbst daran zu hindern, sich immer wieder in die Rückenlage zu begeben, können Sie einen kleinen Ball in die Rückseite des Schlafanzuges einnähen. Dieser übt unangenehmen Druck aus und zwingt Sie so in eine Seitenschläferposition. Probieren können Sie es ja mal! 

Welche Maßnahmen gibt es noch?

Beispiel für eine CPAP-Maske

Ist das Krankheitsbild schwerer ausgeprägt, muss neben einer Veränderung des Lebensstils auch eine sogenannte CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Maske zum Einsatz kommen. Diese Atemmaske ist an einen Kompressor angeschlossen und sorgt in der Nacht für eine positive Überdruckbehandlung: Luft strömt mit leichtem Druck in die Atemwege und hält diese offen. Es handelt sich bei dieser Ventilationstherapie um eine Langzeitbehandlung. 

Operative Maßnahmen helfen nur, wenn Fehlbildungen oder Veränderungen des Hals-Nasen-Ohrenbereichs vorliegen, etwa bei einer verkrümmten Nasenscheidewand oder vergrößerten Polypen. 

Neue Behandlungen bei Schlafapnoe

Eine Unterkieferprotrusionsschiene wird auch als „Anti-Schnarchschien“ bezeichnet.

Bei leichteren Beschwerden kann versucht werden mit einer Unterkieferprotrusionsschiene der Schlafapnoe entgegen zu wirken. Diese wird individuell angepasst und soll dabei helfen, dass der Unterkiefer um ein paar Millimeter nach vorne verlagert wird. Auf diese Weise wird das Zurückfallen des Zungengrundes verhindert und die Atemwege offener gehalten.  

Nach einem ähnlichen Prinzip wie die Schiene funktioniert auch ein sogenannter Zungenschrittmacher. Dieser wird implantiert und verhindert ein Zurückfallen der Zunge beim Einatmen.4

Wie gefährlich ist eine Schlafapnoe?

Eine Schlafapnoe kann schwerwiegende und teilweise auch lebensbedrohliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Ohne Behandlung sind die Risiken durch den fehlenden Sauerstoff in der Nacht einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden, stark erhöht. Der Körper steht während des nächtlichen Kampfes um Luft unter starkem Stress, es kann außerdem zu einem metabolischen Syndrom und Blutzucker-Problemen kommen.

In der Schwangerschaft kann es durch den Aufstau von Gewebeflüssigkeit in den oberen Atemwegen zu einer temporären Schlafapnoe kommen. Diese muss unbedingt behandelt werden, da durch die Atemaussetzer und den damit verbunden Sauerstoffverlust eine Schädigung des Fötus eintreten kann. 

Ist eine Schlafapnoe heilbar?

Eine obstruktive Schlafapnoe muss unbedingt rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Vollständig heilbar ist sie leider nicht wirklich. Mit Hilfe von geeigneten Therapien können dennoch sowohl die Symptome der Schlafapnoe, als auch deren Folge- und Begleiterkrankungen vermieden und teils behoben werden.3

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Tanja Hauf | Schlafstörungen Selbsthilfe

Tanja Hau

Hat die Initiative Schlafstörungen Selbsthilfe gestartet

Frau Hau hat auf Grund von eigenem Leidensdruck das Selbsthilfe-Portal „Schlafstörungen Selbsthilfe“ ins Leben gerufen. Sie und externe Schlafexperten, Ärzte und Psychologen freuen sich auf Ihre Fragen, Anregungen und Kommentare an info[at]schlafstoerung-selbsthilfe.org.


Verwendete Literatur und weitere Quellen